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Reisebericht Mexiko - Von der Pazifikküste durch Mexiko bis an die Karibik


Mexikos Strände locken. Nicht minder seine Mayatempel und Indianerdörfer im Bundesstaat Chiapas. Und dazwischen azurblaue Seen und donnernde Wasserfälle. Erfrischende Badestops ersetzen glatt eine Klimaanlage im VW-Bus

Nach 4 Wochen Badeurlaub in Acapulco geht es nun weiter auf der Mex 200 Richtung Puerto Escondido. Die ersten 50 Kilometer kommen wir zügig voran, dann folgen Schlagloch auf Schlagloch. Für 400 Kilometer brauchen wir elf Stunden. Erschöpft checken wir auf dem Campingplatz in Puerto Escondido direkt am Meer ein, danach gibt es erst einmal ein kühles Bier an der Strandbar. Der Posten, der den Campingplatz bewacht, hat seinen Stuhl keine zwei Meter neben unseren Bus aufgestellt. Wir bieten ihm ein Bier an und fallen todmüde ins Bett

 



Ein Strandabschnitt der schönen Bucht ist palmengesäumt und lockt mit vielen kleinen Restaurants. Wer früh unterwegs ist, kann die heimkehrenden Fischer beobachten und für wenige Pesos einen stattlichen Thunfisch ergattern. Der andere Abschnitt ist eher etwas für Wellenreiter, die in hohen Wellen Nervenkitzel suchen. Nach einigen Tagen am Strand steuern wir auf der Mex 200 über Puerto Angel Salina Cruz an. Die Sierra Madre del Sur steigt im Norden steil an. Hinter Salina Cruz verlassen wir die Küstenregion Richtung Tuxtla Gutierrez, die heiße Hauptstadt des Bundesstaates Chiapas. Die Straße im Nationalpark des Sumidero Canyons windet sich in unzähligen Serpentinen den Berg hinauf. Am Ende befindet sich ein Restaurant und eine Aussichtsplattform. Wir sind die einzigen Gäste. Bald hat sich der Nebel verzogen und wir genießen einen spektakulären Blick auf den Rio Grijalva, der sich über 15 Kilometer durch den bis tausend Meter tiefen Canyon schlängelt.



Die Parkstraße hinunter nach Chiapa de Corzo gibt immer wieder den Blick frei auf den Fluss. Unten angekommen, schließen wir uns sechs anderen Reisenden an und mieten ein Boot. Vorsichtig steuert der Führer das Boot durch den Eingang zum Canyon. Langsam bahnt er seinen Weg durch Treibholz und Grünpflanzen.. Rechts und links steigen die Felswände bis zu tausend Meter

steil an. An der tiefsten Stelle des Canons gleiten wir in eine Höhle. Als der Motor abgestellt wird herrscht gespenstige Stille. Über uns türmen sich ein paar hundert Meter Fels. Bevor wir die Gedanken an ein Erdbeben weiterspinnen können, sind wir auch schon wieder unter blauen Himmel. Am Ufer taucht ein Alligator auf und ein Geier macht sich über einen toten Hund her. Die Fahrt zum Chicoasen-Stausee und zurück dauert zweieinhalb Stunden.



Im VW-Bus geht's weiter nach San Cristobal de Las Casas. Zehn Kilometer hinter Chiapas de Corzo verbringen wir die heißen Mittagsstunden badend am Wasserfall von Cueva del Chorreadero. Der Umweg von nur einem Kilometer lohnt sich! Erfrischt geht es ins 2100 m gelegene San Cristobal. Viele Indianerdörfer liegen verstreut in den Bergen. Entlang der steilen, kurvenreichen Straße verkaufen Indianer Früchte. Leuchtend bunte Trachten gehören hier zum Alltagsbild. Feuerholz wird auf dem Rücken der Esel herbeigeschafft. Männer arbeiten auf dem Feld, Frauen stehen am Flussufer und waschen. Um ihre Erzeugnisse auf dem Markt verkaufen zu können, müssen die Indianer lange Fußmärsche zurücklegen. Viele Indianer arbeiten für einen Hungerlohn bei Großgrundbesitzern. In den Dörfern fehlt oft Geld für Schulen und Lehrer, so das die Bildungschancen der Kinder gering sind. Chiapas ist ein wildes, unzugängliches Land und die Indianer haben nicht aufgegeben, für ihre Rechte zu kämpfen, wie der Indianeraufstand Anfang 1994 wieder zeigte.


Wir fahren nach Chamula, das etwa zehn Kilometer nordöstlich von San Cristobal liegt. Vor der kleinen Kirche wird Markt abgehalten. Wir decken uns mit Obst und Gemüse ein. Man sollte respektieren, dass viele Indianer nicht fotografiert werden wollen. In der Kirche herrscht absolutes Fotografierverbot. Beim Dorfvorsteher müssen wir erst eine Erlaubnis einholen, die Kirche besichtigen zu dürfen. Vor der Kirche wird der Schein kontrolliert, und dann tauchen wir ein in eine andere Welt. Das Halbdunkel der Kirche wird von Hunderten von Kerzen erhellt, Bänke oder Stühle gibt es nicht. Der Boden ist mit Heu ausgelegt, man sitzt alleine oder in kleinen Gruppen betend und wimmernd am Boden. Weihrauchgeruch erfüllt den Raum. Eine kleine Gruppe von Indianern musiziert, ein Priester schwenkt Kleidungsstücke im Weihrauchnebel, die er dann einer Madonnenfigur umhängt.


Es geht wieder zurück nach San Cristobal. Hier besuchen wir das Museum Na Blom einer Schweizerin, die ihr halbes Leben den Indianern und dem Regenwald gewidmet hat. Neben Fotos von den Lakandonen (400 dieser Indianer leben noch im Dschungel nahe der Grenze nach Guatemala) werden auch Gebrauchsartikel und handwerkliche Arbeiten ausgestellt.

Wir verlassen San Cristobal auf der Mex 199 Richtung Palenque. Die letzte Regenzeit hat auf der kurvenreichen Straße deutliche Spuren hinterlassen. Rasch wird es wärmer und feuchter, Nebelwälder gehen über in tropischen Regenwald. 65 km vor Palenque liegt das beliebte Ausflugsziel Agua Azul. Die Wasserfälle von Agua Azul schlängeln sich über 7 km durch dichten Urwald. Der Parkplatz hier ist überfüllt mit Reisebussen und Touristen. Wir unternehmen erst einmal einen Spaziergang flussaufwärts, vorbei an kleinen und großen Wasserfällen. In den klaren Becken kann man wunderbar baden. Es ist fast dunkel, als wir zum Parkplatz zurückkommen, der Trubel ist vorbei, nur einige Zelte und ein Wohnmobil stehen noch am Flussufer.



Bei Sonnenaufgang sind wir schon wieder draußen, denn gegen Mittag werden die ersten Reisebusse anrollen und die zauberhafte Atmosphäre dieses Ortes ist dahin. Wir waschen uns im kalten Wasser und baden ausgiebig. Vorsicht bei den Uferwegen, diese sind sehr schlammig und rutschig.

Die Fahrt geht nun weiter Richtung Palenque. In der Mittagshitze machen wir Rast am Misol-Ha Wasserfall, der sich 30 Meter in die Tiefe stürzt. Kurz vor Palenque biegen wir links ab zu den Ruinen und nisten uns auf dem Campingplatz Mayabel, zwei Kilometer vom Parkeingang ein. Der Platz liegt am Waldrand. In einer abgelegenen Ecke stehen Hütten, dort haben sich einige Hippies niedergelassen. Im kleinen Restaurant wird manchmal abends Musik gemacht, oft liegt der Geruch von Marihuana in der Luft.

Die Tempelanlagen kann man entweder über die Hauptstraße oder einen schönen Waldweg erreichen, der vorbei an kleinen Wasserfällen zur Ruinenstätte führt.



Wir erklimmen den 12 Meter hohen, sehr steilen Tempel der Inschriften. Von oben hat man einen fantastischen Blick über die Anlage, die, eingerahmt von Urwaldriesen vor uns liegt. Eine glitschige Steintreppe führt ins Innere des Tempels. Vorsichtig tasten wir uns die Stufen hinab. Am Grund der Pyramide befindet sich ein Fürstengrab, das erst 1952 entdeckt wurde und das mit einer schweren Steinplatte bedeckt ist. Wir sind allein am Grab und genießen die gruselige Atmosphäre a la Indiana Jones. Wir verbringen einige Stunden bei den Ruinen. Empfehlenswert ist der Vormittag, bevor sich die große Hitze breit macht. Nachts, so gegen zwei Uhr werden wir von schaurigem Geschrei geweckt. Wenn wir nicht wüssten, dass es sich um Brüllaffen handelt, hätten wir ein gefährliches Raubtier hinter dem Gebrüll vermutet.
 
 
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